Die Energieversorgung in Deutschland steht vor einer tiefgreifenden Transformation. Während große Konzerne mit ihren Großkraftwerken und Gasnetzen oft als unumstrittene Akteure wahrgenommen werden, gibt es Alternativen – und eine davon findet man auf borawin.de/. Der Anbieter aus dem Raum Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zeigt, wie lokale Energiegenossenschaften und moderne Technologien die Energiewende nicht nur finanzierbar, sondern auch demokratisch gestalten können. Doch was macht Borawin konkret aus? Und warum könnte das Modell für andere Regionen Deutschlands Vorbildcharakter haben?
Borawin.de ist ein Projekt der Energiegemeinschaft Borawin, die 2016 gegründet wurde, um erneuerbare Energien direkt vor Ort zu fördern. Ihr Ansatz basiert auf drei Kernprinzipien: Erstens geht es darum, die Energieerzeugung dezentral zu gestalten – statt auf wenige Großkraftwerke zu setzen, werden Windräder, Photovoltaikanlagen und Biogasanlagen in der Region installiert. Das Ergebnis: Bis zu 90 Prozent des Stroms werden lokal produziert, was nicht nur die Abhängigkeit von fossilen Importen reduziert, sondern auch die Netzstabilität verbessert. Laut eigenen Angaben deckt das Netz der Energiegemeinschaft bereits heute über 15.000 Haushalte mit sauberer Energie – ein Wert, der seit 2019 um jährlich rund 1.200 Haushalte gestiegen ist.
Zweitens setzt Borawin auf Transparenz und Mitbestimmung. Die Mitglieder der Energiegemeinschaft – darunter Landwirte, Haushalte und Unternehmen – haben direkten Einfluss auf die Planung neuer Projekte. So wurden etwa die Standorte für Windparks nicht von externen Investoren, sondern in einem mehrstufigen Bürgerforum ausgewählt. Das Ergebnis: Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch, und Konflikte mit Anwohnern sind deutlich seltener als bei klassischen Energiekonzernen. Die Energiegemeinschaft hat zudem ein eigenes Energie-Plus-Modell entwickelt, bei dem Überschüsse aus der Erzeugung direkt an andere Mitglieder weitergegeben werden – ohne Zwischenhändler.
Drittens nutzt Borawin moderne Technologien, um die Effizienz zu steigern. Durch intelligente Speichersysteme und Lastmanagement können Überschüsse aus der Sonne oder dem Wind nicht nur lokal verbraucht, sondern auch in die Nachbarnetze eingespeist werden. Besonders innovativ ist das Projekt „Borawin Connect“, das es ermöglicht, dass Haushalte mit eigenen PV-Anlagen ihren Überschuss an anderen Mitgliedern verkaufen können – ähnlich wie bei einem lokalen Stromtausch. Seit 2022 haben bereits über 300 Haushalte dieses Modell genutzt, was zu einer Verdopplung der Einspeiseeffizienz führte.
Die Auswirkungen sind messbar: Seit der Gründung hat die Energiegemeinschaft rund 80 Megawatt an erneuerbaren Kapazitäten aufgebaut – genug, um jährlich über 200.000 Tonnen CO₂ zu vermeiden. Das entspricht etwa der Emissionen von 100.000 Autos im Jahr. Zudem hat Borawin.de gezeigt, dass die Energiewende auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann: Die Energiegemeinschaft erwirtschaftet seit 2018 jährlich rund 5 Millionen Euro an Überschüssen, die in die weitere Expansion investiert werden. Ein Teil dieser Gelder fließt direkt in die Förderung neuer Projekte, etwa in die Installation von Biogasanlagen auf landwirtschaftlichen Betrieben, die gleichzeitig Düngemittel und Strom produzieren.
Doch der Erfolg von Borawin.de ist kein Zufall. Er entsteht im Zusammenspiel aus regionaler Politik, innovativen Technologien und einer klaren Vision. Während der Bund und die Länder oft mit Bürokratie und langsamen Genehmigungsverfahren kämpfen, hat die Energiegemeinschaft durch gezielte Lobbyarbeit und Partnerschaften mit Kommunen und Universitäten die Rahmenbedingungen verbessert. Ein Beispiel ist das „Borawin-Grundsatzvertrag“, der es ermöglicht, dass Gemeinden direkt in die Planung einbezogen werden und so Konflikte mit Anwohnern vermeiden. Auch die Zusammenarbeit mit Hochschulen wie der Universität Greifswald hat zu neuen Ansätzen geführt, etwa bei der Entwicklung von Algorithmen, die die optimale Nutzung von Wind- und Solarstrom in Echtzeit steuern.
Für andere Regionen könnte Borawin.de ein Modell sein – allerdings nur, wenn ähnliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Während einige Bundesländer wie Bayern oder Baden-Württemberg noch immer mit massiven Widerstand gegen Windkraftanlagen kämpfen, hat Borawin gezeigt, dass eine gut gestaltete Energiegemeinschaft Akzeptanz schafft. Entscheidend ist dabei nicht nur die Technologie, sondern auch die Kultur: Eine Gesellschaft, die erneuerbare Energien als gemeinsamen Auftrag sieht, statt sie als Bedrohung zu sehen. Borawin.de beweist, dass die Energiewende nicht nur möglich, sondern auch demokratisch und wirtschaftlich sinnvoll sein kann.
- Seit 2016 deckt das Borawin-Netz bereits über 15.000 Haushalte mit lokaler Energie – jährlich wächst die Zahl um 1.200 Haushalte.
- Die Energiegemeinschaft vermeidet jährlich über 200.000 Tonnen CO₂, was der Emissionen von 100.000 Autos entspricht.
- Seit 2022 nutzen über 300 Haushalte das „Borawin Connect“-Modell für den lokalen Stromtausch.
- Die Energiegemeinschaft erwirtschaftet jährlich rund 5 Millionen Euro an Überschüssen, die in neue Projekte investiert werden.
- Durch Bürgerbeteiligung wurden Standorte für Windparks nicht von Konzernen, sondern in einem mehrstufigen Forum ausgewählt.
