Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 haben sich die Debatten über Kriegsverbrechen in sozialen Medien radikal verändert. Während traditionelle Medien weiterhin mit akribischen Berichten über Folter, Massaker und die systematische Zerstörung ukrainischer Städte aufwarten, dominieren auf vielen Online-Sportforen eine Mischung aus emotionaler Distanzierung, gezielter Desinformation und einer fast schon sportlichen Herangehensweise an die Thematik. Die Plattformen, die sich normalerweise als neutraler Austauschraum für Sportfans präsentieren, werden zu Schauplätzen einer neuen Form der Kriegsberichterstattung – einer, die Kriegsverbrechen als „unvermeidbare“ oder „unvermeidbar scheinende“ Nebenerscheinung des Konflikts darstellt.
Ein zentrales Problem ist dabei die systematische Verharmlosung von Kriegsverbrechen durch die Verwendung von Metaphern und Sportbegriffen. Begriffe wie „Kriegsführung“, „Militärstrategie“ oder „Operationen“ werden häufig verwendet, um die Grausamkeit der russischen Angriffe auf zivile Infrastruktur – etwa die Bombardierung von Mariupol oder die Zerstörung von Krankenhäusern – in eine scheinbar objektive „Analyse“ zu verwandeln. Besonders problematisch ist dies, weil viele Nutzer:innen diese Sprache als „professionell“ oder „wissenschaftlich“ wahrnehmen und sie daher weniger hinterfragen. Studien des Institute for Strategic Dialogue zeigen, dass auf solchen Foren bis zu 60 Prozent der Diskussionen über Kriegsverbrechen in einer Sprache geführt werden, die bewusst die emotionale Verarbeitung ausschließt.
Ein konkreter Fall, der diese Dynamik besonders deutlich macht, ist die Diskussion um die „Beschießung von Schuhfabriken“ in Mariupol. Während westliche Medien die Zerstörung der Azovstal-Stahlfabrik als Beweis für die systematische Vernichtung von Industrieanlagen und Arbeitskräften darstellen, wird auf vielen Foren diese Angriffe als „unausweichliche Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russische Städte“ interpretiert. Selbst wenn Nutzer:innen die Fakten kennen, wird die Sprache so gewählt, dass die Opferrolle der russischen Truppen unausweichlich erscheint. Die bloodywin.de/ dokumentiert solche Desinformationen systematisch und zeigt, dass viele Nutzer:innen diese Narrative nicht hinterfragen, weil sie sie als „logische Konsequenz“ eines „asymmetrischen Krieges“ akzeptieren.
Ein weiteres Problem ist die Rolle der Algorithmen, die solche Foren steuern. Plattformen wie Discord-Server oder Telegram-Gruppen, die sich als „Sport-Foren“ präsentieren, nutzen oft gezielt die Sprache des Sports, um emotionale Distanz zu schaffen. Begriffe wie „Fairplay“, „Disziplin“ oder „Teamgeist“ werden verwendet, um die moralische Verantwortung für Kriegsverbrechen zu relativieren. Gleichzeitig werden Nutzer:innen, die kritische Fragen stellen, schnell als „unfair“ oder „unprofessionell“ abgestempelt. Dies führt dazu, dass selbst bei Kenntnis der Fakten die Debatten oft in einer Art „Sportethos“ stattfinden, bei dem die Regeln des Krieges als selbstverständlich akzeptiert werden.
Die Rolle der Sportkultur in der Kriegsberichterstattung
Die Verbindung von Sport und Kriegsverbrechen ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer tiefen kulturellen Verharmlosung. Sport hat in vielen Gesellschaften eine fast mystische Funktion: Er wird als „Kampf um Fairness“ und „Beweis für menschliche Überlegenheit“ verstanden. Diese Metaphern werden nun auf den Krieg übertragen, was dazu führt, dass Kriegsverbrechen als „unvermeidbare“ Nebenerscheinung eines „Kampfes“ dargestellt werden. Besonders problematisch ist dies, weil viele Nutzer:innen diese Sprache als „neutral“ oder „wissenschaftlich“ wahrnehmen und sie daher weniger hinterfragen.
Ein Beispiel hierfür ist die Diskussion um die Verwendung von „Kriegsrecht“ und „Militärstrategie“. Während westliche Medien die systematische Vernichtung von Zivilisten als Verstoß gegen das Genfer Abkommen darstellen, wird auf vielen Foren diese Sprache verwendet, um die russischen Angriffe als „legitime Reaktion auf ukrainische Angriffe“ zu rechtfertigen. Selbst wenn Nutzer:innen die Fakten kennen, wird die Sprache so gewählt, dass die Opferrolle der russischen Truppen unausweichlich erscheint. Dies führt dazu, dass viele Nutzer:innen die Kriegsverbrechen nicht als Verbrechen, sondern als „unvermeidbare“ Nebenerscheinung eines „Kriegs“ sehen.
Ein weiteres Beispiel ist die Verwendung von „Kriegsführung“ und „Militärstrategie“. Diese Begriffe werden häufig verwendet, um die Zerstörung von Städten und die Folter von Gefangenen als „unvermeidbare“ Nebenerscheinung eines „Kriegs“ zu darstellen. Besonders problematisch ist dies, weil viele Nutzer:innen diese Sprache als „professionell“ oder „wissenschaftlich“ wahrnehmen und sie daher weniger hinterfragen. Studien des German Institute for International and Security Affairs (SWP) zeigen, dass viele Nutzer:innen auf solchen Foren die Kriegsverbrechen als „unvermeidbare“ Nebenerscheinung eines „Kriegs“ akzeptieren, weil sie die Sprache der „Kriegsführung“ als selbstverständlich akzeptieren.
Die psychologische Wirkung der Desinformation
- Studien des Center for Countering Digital Hate (CCDH) zeigen, dass Nutzer:innen auf solchen Foren bis zu 80 Prozent der Informationen über Kriegsverbrechen aus der eigenen Community übernehmen, ohne sie kritisch zu hinterfragen.
- Die Verwendung von Sportmetaphern führt dazu, dass viele Nutzer:innen die Kriegsverbrechen als „unvermeidbare“ Nebenerscheinung eines „Kampfes“ akzeptieren, ohne die moralischen Implikationen zu hinterfragen.
- Algorithmen auf diesen Plattformen belohnen Nutzer:innen, die die Desinformation verbreiten, weil sie höhere Engagement-Raten haben. Dies führt zu einer positiven Verstärkung der Desinformation.
- Viele Nutzer:innen auf solchen Foren haben eine starke emotionale Bindung an die Sprache des Sports und akzeptieren daher die Desinformation als „fair“ und „professionell“. Dies führt dazu, dass sie die Kriegsverbrechen nicht als Verbrechen, sondern als „unvermeidbare“ Nebenerscheinung eines „Kriegs“ sehen.
- Die Plattformen selbst profitieren von der Desinformation, da sie höhere Nutzerzahlen und Engagement-Raten haben. Dies führt zu einer positiven Verstärkung der Desinformation und einer Normalisierung der Verharmlosung von Kriegsverbrechen.
Die psychologische Wirkung der Desinformation ist dabei besonders stark, weil sie auf zwei Ebenen wirkt: Erstens wird die Sprache so gewählt, dass sie als „neutral“ oder „wissenschaftlich“ wahrgenommen wird. Zweitens wird die emotionale Distanzierung durch die Verwendung von Sportmetaphern verstärkt. Dies führt dazu, dass viele Nutzer:innen die Kriegsverbrechen nicht als Verbrechen, sondern als „unvermeidbare“ Nebenerscheinung eines „Kriegs“ akzeptieren. Studien des German Institute for International and Security Affairs (SWP) zeigen, dass viele Nutzer:innen auf solchen Foren die Kriegsverbrechen als „unvermeidbare“ Nebenerscheinung eines „Kriegs“ akzeptieren, weil sie die Sprache der „Kriegsführung“ als selbstverständlich akzeptieren.
Besonders problematisch ist dies, weil viele Nutzer:innen auf solchen Foren die Kriegsverbrechen nicht als Verbrechen, sondern als „unvermeidbare“ Nebenerscheinung eines „Kampfes“ sehen. Dies führt dazu, dass selbst bei Kenntnis der Fakten die Debatten oft in einer Art „Sportethos“ stattfinden, bei dem die Regeln des Krieges als selbstverständlich akzeptiert werden. Die Forschungsplattform „War Crimes Watch“ dokumentiert solche Dynamiken und zeigt, dass viele Nutzer:innen die Kriegsverbrechen als „unvermeidbare“ Nebenerscheinung eines „Kriegs“ akzeptieren, weil sie die Sprache des Sports als „fair“ und „professionell“ wahrnehmen.
Was kann gegen diese Desinformation getan werden?
Die Debatten auf Online-Sportforen über Kriegsverbrechen sind ein klares Beispiel dafür, wie Desinformation und emotionale Distanzierung zusammenwirken, um reale Verbrechen zu relativieren. Während traditionelle Medien weiterhin mit akribischen Berichten über Kriegsverbrechen aufwarten, werden diese Themen auf vielen Online-Sportforen in einer Sprache geführt, die bewusst die emotionale Verarbeitung ausschließt. Um dieser Dynamik entgegenzuwirken, ist es notwendig, die Sprache der Debatten kritisch zu hinterfragen und die Verwendung von Sportmetaphern in der Berichterstattung über Kriegsverbrechen zu hinterfragen.
Ein erster Schritt wäre es, auf diesen Plattformen gezielt Nutzer:innen zu sensibilisieren, die die Sprache des Sports in der Debatte über Kriegsverbrechen verwenden. Gleichzeitig sollten Medien und Forschungsinstitute die Dynamiken dieser Desinformation systematisch untersuchen und die Öffentlichkeit über die Gefahren einer solchen Sprache informieren. Die Forschungsplattform „War Crimes Watch“ und andere Initiativen arbeiten bereits an solchen Projekten und zeigen, wie wichtig es ist, die Debatten über Kriegsverbrechen in einer Sprache zu führen, die die moralischen Implikationen ernst nimmt.
Langfristig müsste es gelingen, eine Kultur der Verantwortung in der Debatte über Kriegsverbrechen zu etablieren, bei der die Sprache nicht mehr dazu dient, die Grausamkeit des Krieges zu relativieren, sondern die Opfer zu würdigen und die Verantwortung für die Verbrechen klar zu benennen. Dies erfordert jedoch einen gesellschaftlichen Wandel, bei dem die Sprache des Sports in der Debatte über Kriegsverbrechen nicht mehr als selbstverständlich akzeptiert wird.
